Gilgamesch war König von Uruk und regierte kurz nach der Sintflut. Er wird beschrieben als "übermächtig,
stattlich, kundig und weise". Er ließ die große Stadtmauer erbauen und herrschte als Tyrann über sein Volk.
Das Recht der ersten Nacht, welches besagt, dass die Braut eines Leibeigenen in ihrer Hochzeitsnacht nicht von ihrem
Bräutigam, sondern von ihrem Grundherren entjungfert werden sollte, nimmt er für sich in Anspruch.
Er ist zu zwei Dritteln göttlicher Natur und zu einem Drittel Mensch. Sein Schritt ist erhaben wie der eines Wildstiers.
Die Götter müssen beständig die Klagen der Unterdrückten hören und die Göttin Aruru
(->"Göttin, die erschafft, was Anu erdenkt) erschafft schließlich einen Antagonisten zu Gilgamesch:
Enkidu (-> " Mann der guten Erde"), einen Naturmenschen, der in reiner Unschuld unter den Tieren des Feldes
lebt und ihre Sprache spricht.
Als Gilgamesch durch einen Jäger von Enkidu erfährt, rät er, Enkidu mit einer Frau zusammenzubringen,
damit diese ihn verführe und nach Uruk bringe.
Der Plan gelingt und die Frau, eine Schamkat (Tempeldienerin des Ischtartempels), entfremdet ihn durch ihre Liebe den
Tieren der Steppe.
In verschiedenen Träumen, die Gilgameschs Mutter für ihn deutet, wird Gilgamesch die Ankunft des Steppenmenschen
Enkidu angekündigt.
Inzwischen ist Enkidu zum Menschen geworden: er lernt bei Hirten essen und trinken wie ein Mensch, er kleidet sich,
wäscht und salbt sich. Mit der Schamkat kommt er in die Stadt Uruk und trifft dort auf Gilgamesch. Enkidu
verstellt Gilgamesch den Weg, worauf die beiden einen Zweikampf beginnen. Der Kampf bleibt unentschieden und beide
schließen Freundschaft.
Später erläutert Gilgamesch dem neuen Freund sein Vorhaben, den riesenhaften und bösartigen Wächter
der heiligen Zeder zu töten. Dieser Wächter mit dem Namen Chumbaba (Chuwawa -> "der Vogel mit Ohren"),
der die Menschen in Angst und Schrecken versetzt, lebt in einem Wald und bewacht diesen Baum im Auftrag des Gottes
Enlil ( -> "Herr des Sturmes").
Die Ältesten von Uruk warnen noch vor diesem Abenteuer, selbst Enkidu versucht seinen Freund davon abzubringen
und auch die Opferschau scheint ungünstig. Doch Gilgamesch glaubt an seinen Erfolg und schließlich eilen
sie zu den Waffenschmieden, um sich mit Beilen und Schwertern für die gefährliche Unternehmung ausrüsten zu
lassen.
Die Ältesten von Uruk segnen Gilgamesch und geben ihm gute Ratschläge mit auf den Weg. Sein Schutzgott
Lugalbanda (->Sohn des Enmerka, gilt in sumerischen Mythen auch als Vater Gilgameschs) möge ihm den Erfolg
sichern. An Enkidu wenden sie sich mit der Bitte, seinen Freund zu behüten und vor Schaden zu bewahren. Enkidu
macht seinem Freund Mut und drängt dann zum Aufbruch. Danach begibt sich Gilgamesch zu seiner Mutter, der
Königin Ninsun (-> Göttin der Wildkuh), um sich für seine geplante Reise in den Zedernwald von ihr
zu verabschieden.
Mit großem Kummer vernimmt sie die Entscheidung ihres Sohnes. Durch Gebete und Opfer auf dem Dach ihres Hauses erfleht
sie von Schamasch (-> gütiger und gerechter Sonnengott), Schutz und Glück für das gefährliche
Vorhaben ihres Sohnes Gilgamesch. Gilgamesch und Enkidu befinden sich auf ihrer abenteuerlichen Reise zum Zedernwald.
Dieser lag nach der altbabylonischen Fassung des Epos im Libanon. Die Reise selbst scheint ohne besondere
äußere Ereignisse zu verlaufen.
Es wird nur berichtet, dass die beiden in regelmäßigen Abständen einen Imbiss zu sich nehmen und am
Ende jeden Tages ausruhen und sich mit Wasser versorgen. Während Enkidu das Nachtlager vorbereitet, besteigt
Gilgamesch jeden Abend einen Berg, bringt ein Opfer dar und erbittet für die Nacht eine positive Traumbotschaft.
Enkidu deutet Gilgameschs verwirrende Träume als glückverheißende Vorzeichen für den
bevorstehenden Kampf mit dem Ungeheuer Chumbaba.
Als sie in die Nähe des Zedernwaldes gelangen, ermutigt der Sonnengott Schamasch die beiden, den Wald zu betreten,
in dem Chumbaba haust. Da wird Enkidu durch einen Schrei des Wächters so in Schrecken versetzt, dass Gilgamesch
seine ganze Überzeugungskraft aufbieten muss, um seinen Freund an der Umkehr zu hindern.
Gilgamesch und Enkidu stehen am Rande des Zedernwaldes und staunen über die Größe der Bäume. Der
Wald ist von einem Graben umgeben und als erstes Anzeichen der Anwesenheit des Wächters sehen sie dessen
Fußspur. Die beiden bringen ihre Waffen in Ordnung und dringen in den Wald ein. Kurz darauf treffen sie
auf den Riesen. Dieser beginnt die beiden zu verhöhnen.
Die fürchterliche Gestalt Chumbabas erschreckt Gilgamesch, so dass es diesmal Enkidu ist, der seinem Freund Mut
macht. Daraufhin beginnt ein dramatischer Kampf, bei dem sogar der Sonnengott Schamasch eingreift und heftige Sturmwinde
gegen Chumbaba schickt. Als der Riese seine Lage als aussichtslos sieht, verlegt er sich auf Versprechungen und Bitten.
Doch Gilgamesch und Enkidu bringen ihr Werk zu Ende und erschlagen Chumbaba, der zuvor die beiden noch verflucht. Danach
fällen sie die heilige Zeder, zimmern aus deren Holz eine gewaltige Türe für die Stadt und fahren auf
einem Floss den Euphrat abwärts zurück nach Uruk.
Beeindruckt von Gilgameschs Erfolg und seiner Schönheit versucht die Göttin Ischtar (-> Hauptgöttin
der Babylonier und Assyrer, entspricht der Astarte, Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit) ihn mit Liebesversprechen
zu umgarnen und sich als seine Geliebte anzubieten.
Doch Gilgamesch durchschaut ihre List und hält ihr in einer langen anklagenden Rede vor, alle ihre bisherigen
Liebhaber ins Unglück gestürzt zu haben. Er verweigert sich ihrem selbstsüchtigen Wunsch. Tief verletzt
empört sich Ischtar deshalb bei ihrem Vater, dem Himmelsgott Anu, über Gilgameschs Zurückweisung.
Unter Drohungen verlangt sie von ihrem Vater, den wilden Himmelsstier zur Erde zu senden, um Gilgamesch zu töten.
Sie erhält das gefährliche Tier und läßt den Stier in Uruk frei, wo er unter den Menschen zu
wüten beginnt. Doch Gilgamesch und Enkidu gelingt es, den Himmelsstier unschädlich zu machen. Ischtar
bricht darüber in ein Wehgeschrei aus, doch die beiden Helden verspotten und verhöhnen die Göttin nur.
Gilgamesch läßt daraufhin ein Freudenfest in seinem Palast feiern. Als Strafe für die Tötung des
Himmelsstiers und des Wächters des Zedernwaldes beschliessen die Götter nun Gilgameschs Tod.
Enlil, der oberste Gott der Götterwelt, aber entscheidet trotz des Einspruchs des Sonnengottes Schamasch, dass
nicht Gilgamesch, sondern Enkidu sterben soll. Enkidu erkrankt daraufhin schwer. Wütend und fassungslos wegen der
ihm willkürlich und ungerecht zugedachten Strafe sucht Enkidu die Schuld einmal bei der Türe aus dem Holz
der gefällten Zeder, dann wieder bei dem Jäger, der ihn in der Steppe fand, dann wieder bei der Tempeldienerin,
welche ihn verführt und nach Uruk gebracht hatte. Schamasch versucht Enkidu zu beruhigen, indem er ihn daran
erinnert, daß er in seinem Leben auch viel Schönes erlebt hat.
In einem verstörenden prophetischen Traum sieht Enkidu sich von einem Mann in Gestalt des Anzu-Vogels
überwältigt und in das Totenreich hinabgeführt. Seine Krankheit verschlimmert sich und nach zwölf
Tagen liegt er im Sterben.
Nach dem Tod Enkidus, des Sohnes der Gazelle und des Wildesels, erhebt Gilgamesch eine lange und schmerzvolle
Totenklage. In seiner Trauer ruft er sich Szenen aus dem Leben seines Freundes und die gemeinsamen Abenteuer mit ihm
ins Gedächtnis zurück. Angesichts des für ihn Unbegreiflichen, des Todes eines geliebten Menschen, wird
Gilgamesch in tiefe Verzweiflung gestürzt. Er läuft ruhelos umher, rauft sich die Haare aus und reißt
sich die Kleider vom Leib. Schliesslich befiehlt er den Handwerkern, ein kostbares Bildnis des Freundes anzufertigen.
Als Ausdruck seines Schmerzes werde er ausserdem, ohne seinen Leib mehr zu waschen und nur mit einer Löwenhaut
angekleidetet, in die Steppe hinausgehen.
Am Ende dieser bruchstückhaften Tafel wird wahrscheinlich von der Beerdigung Enkidus erzählt. Enkidus Tod
stellt auch gleichzeitig den Wendepunkt des Epos dar. Gleich am Anfang dieser Tafel tritt das nun in den Vordergrund
tretende Motiv der ganzen Dichtung hervor: die Angst vor dem Tod. Mit der schrecklichen Tatsache, eines Tages seinem
Freund nachfolgen zu müssen, findet Gilgamesch sich nicht ab und gerät in Panik. So macht er sich auf den Weg
zu dem weisen und fernen Utnapischtim (-> "Leben ferner Tage"), der eine Möglichkeit kennt, das ewige
Leben zu erlangen. Utnapischtim, der dem biblischen Noah entspricht, war vor der Sintflut der letzte große König.
Er und die Seinen wurden als einzige gerettet und wohnen jetzt auf einer Insel. Auf dem Weg zu ihm muss Gilgamesch
den Berg Maschu durchqueren, dessen Eingang aber von den fürchterlichen Skorpionmenschen bewacht wird. Angerührt
von Gilgameschs Klagen geben sie ihm den Weg durch den Berg frei. Nachdem Gilgamesch durch die stundenlange Finsternis
des Berginneren gedrungen ist, gelangt er schliesslich ans Tageslicht und findet sich in einem wunderbaren Garten
wieder, in dem jeder Baum Edelsteine trägt.
Auf seiner unruhigen Suche gelangt Gilgamesch zu einer Art Taverne am Meeresufer. Dort trifft er auf eine kluge Frau,
im Epos als die Schenkin Siduri bezeichnet. Wegen seiner zerlumpten Erscheinung verschliesst sie ihm zuerst die Tür.
Dann hört sie sich aber seine kummervolle Geschichte an und versucht ihn zu überzeugen, dass seine Suche nach
dem ewigen Leben sinnlos ist. Stattdessen rät sie ihm, die Freuden des Lebens in vollen Zügen zu geniessen.
Gilgameschs Sehnsucht nach Unsterblichkeit wird durch die Lebensweisheiten der Schenkin aber nicht zerstört.
Auf seine Bitten hin zeigt sie ihm den Weg zum Fährmann Urschanabi, der ihn über die Wasser des Todes zum
weisen Utnapischtim bringen könne.
Als Gilgamesch Urschanabi findet, verweigert dieser zuerst die geheimnisvollen Ruderstangen, mit denen allein die
Überfahrt über die Wasser des Todes möglich ist. Aus Ärger zerschlägt Gilgamesch die Ruderstangen.
Doch nachdem er Urschanabi seine traurige Geschichte berichtet hat, weiß dieser Rat und sie verfertigen 120
hölzerne Ruderstangen, die allerdings jeweils nur einmal in die Wasser des Todes eingetaucht werden können.
Die Überfahrt zu Utnapischtim gelingt und Gilgamesch schildert auch ihm seine Trauer um Enkidu und seine Angst
vor dem Tode. Die lange Antwortrede Utnapischtims bietet wenig Trost, schliesst sie doch mit der desillusionierenden
Feststellung, dass allen Menschen das Todesschicksal beschieden ist. Utnapischtim erzählt Gilgamesch die
Geschichte von der grossen Sintflut, die nur er und seine Familie überlebt haben. Auf Anweisung der Götter
habe er ein grosses Schiff erbaut, in dem sich vor Einsetzen der grossen Flut seine Familie und die Tiere des Feldes
in Sicherheit brachten.
Die Geschichte entspricht der biblischen Noah-Erzählung und endet mit der Errettung Utnapischtims. Als besondere
Gnade der Götter sei er unsterblich geworden. Um Gilgamesch zu zeigen wie schwach ein Mensch ist, fordert
Utnapischtim ihn auf, sechs Tage und sieben Nächte nicht zu schlafen.
Der übermüdete Gilgamesch schläft aber bald darauf für sieben Tage ein. Zum Beweis für Gilgameschs
Schwäche bäckt Utnapischtims Frau jeden Tag ein Brot und legt es Gilgamesch an das Kopfende seines Lagers.
Als dieser wieder erwacht, enthüllt Utnapischtim ihm das Geheimnis des Krautes der ewigen Jugend und wo er es
finden könne. Unverzüglich taucht Gilgamesch in die Tiefe eines Schachtes zum Apsu, dem Urozean hinab und
pflückt dort das geheimnisvolle Kraut. Als er das Wunderkraut bei einer Rast auf dem Rückweg einen Augenblick
unbeaufsichtigt lässt, wird es von einer Schlange aufgefressen, die wenig später ihre Haut abstreift und
sich verjüngt.
Die Tafel endet damit, dass Gilgamesch vor den Toren Uruks steht und den Fährmann Urschanabi einlädt, die
Stadt und ihre Mauer zu betrachten. In seiner ursprünglichen Fassung dürfte das Epos mit dieser Tafel
geendet haben. Vermutlich ist die 12. Tafel in der uns vorliegenden Gestalt nur eine Art von Anhang, denn sie setzt
an ihrem Anfang voraus, dass Enkidu noch lebt, obwohl er doch bereits am Ende der siebten Tafel stirbt. Zu Beginn
der Tafel klagt Gilgamesch, dass ihm seine Trommel und die Trommelstöcke in die Erde gefallen seien. Enkidu
verspricht, die Gegenstände aus der Unterwelt heraufzuholen. Infolge der Verletzung der Tabus der Unterwelt
wird Enkidu aber in dieser festgehalten. Er kann nur als Totengeist zur Erde zurückkehren und Gilgamesch die
traurige Situation der Toten schildern.
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